101 – Kleiner Schlackenmarsch 2026: warum es diesmal schwerer war als gedacht

Im Gespräch mit Nina: 53 Kilometer, Asphalt in der Sonne und warum wir es trotzdem immer wieder tun

Es gibt Veranstaltungen, die fühlen sich jedes Mal wie nach Hause kommen an. Der kleine Schlackenmarsch ist so eine. Hier in meiner Heimat, Ende April, immer gleichzeitig mit dem Hamburg Marathon. Letzteres bedeutet übrigens, dass ich 2024 nicht beim Schlacken dabei war, denn ich bin zeitgleich meinen ersten Marathon in Hamburg gelaufen. Der Grundstein übrigens für alles, was danach kam, denn ohne dieses Ziel gäbe es laufend-optimistisch.de heute nicht. Dazu gibt es selbstverständlich eine eigene Folge.

Dieses Jahr war ich mit Nina und Doris unterwegs. Für Doris war es das fünfte Finish (sie ist 2024 auch dabei gewesen), für mich war es mein viertes Finish beim Kleinen Schlacken, für Nina ihr drittes. Und wer jetzt denkt, na dann ist das doch Routine, der hat recht und gleichzeitig unrecht. Denn genau das ist das Tückische: wenn etwas zur Routine wird, unterschätzt man es manchmal ein kleines bisschen. Hier gibt´s übrigens Nina´s Bericht zum kleinen Schlacken 2025.

Die Zahlen zuerst

53,46 Kilometer laut Uhr, 630 Höhenmeter, reine Bewegungszeit 10:42 Stunden, brutto 11:08. Das macht knapp 12:30 Minuten pro Kilometer Gehzeit, Pausen inklusive. Was gleichzeitig bedeutet, dass wir gar nicht so lange Pause gemacht haben, wie es sich angefühlt hat. Was wiederum bedeutet: wenn man sitzt und weiß, dass man gleich wieder aufstehen muss, fühlt sich jede Pause gefühlt wie eine Ewigkeit an.

Der Morgen

Wir sind mit der ersten Startergruppe gestartet, morgens früh, als es noch frisch war. 500 Teilnehmende insgesamt, immer 100 auf einmal im Abstand von 20 Minuten. Das macht die Strecke angenehm und nicht überlaufen, das finde ich jedes Mal wieder schön.

Nina war in bester Stimmung. Sie war direkt danach in den Urlaub gefahren, ihr Freund kam am nächsten Tag mit dem Hund, und irgendwie war der Schlackenmarsch in diesem Rahmen ihr letzter Schritt, bevor der richtige Urlaub losging. Ihr Mindset: mal eben den 50er machen. Ich sag nur: Spoiler.

Ich war grundsätzlich auch froh gestimmt. Aber ich hatte noch etwas im Hinterkopf: Mein DNF vom November beim Megamarsch in Nürnberg. Bei Kilometer 46 aufgehört, weil es nicht mehr ging. Details dazu gibt es in der passenden Folge. Und seit diesem DNF war das hier mein erster Marsch über 50 Kilometer. Das saß noch irgendwo, ganz leise, aber es saß da.

Dazu kam: Es war der heißeste Tag seit Wochen. Natürlich. Wenn wir am Start stehen, ist es zu warm. Das ist inzwischen Tradition.

Die gute Zeit

Die ersten 40 Kilometer waren wirklich schön. Wir waren ein gutes Grüppchen, haben Leute getroffen, die wir kannten oder die wir dann kennenlernten. Silke hat mich beispielsweise angesprochen und mir erzählt, dass sie meinen Podcast hört. Solche Momente passieren nicht oft und ich werde sie nie als selbstverständlich nehmen, denn die Freude ist jedes Mal riesig und kommt wirklich von Herzen! Sie könnt ihr übrigens auf dem Bild beim KM 40-Schild sehen. Wir haben gelacht, geredet, auf unsere Uhren geguckt und uns gefreut, wie flott wir vorankamen, weil es dieses Jahr mit 630 Höhenmetern deutlich sanfter war als im Vorjahr mit 1200 Höhenmetern.

Bei der ersten Feuerwehr-Verpflegungsstation gab es echten Kaffee. Ich betone: echten Kaffee, nicht Pulverzeugs. Und ich hatte sogar die Schlackenmarsch-Kaffeetasse dabei, die ich kurz vorher in der Facebook-Gruppe gewonnen hatte. Obligatorisches Foto natürlich inklusive. Kaffee treibt mich an. Echter Kaffee macht mich glücklich. Das ist keine Übertreibung.

Doris‘ Eltern kamen an einem Verpflegungspunkt vorbei und quatschen kurz mit uns. Meine Mama kam mit dem Fahrrad. Es ist einfach schön, wenn Menschen an der Strecke auftauchen.

Der Wendepunkt

Nach der Kuchenstation in Hahnbach, und der Kuchen war übrigens überragend, kam ein Abschnitt, der uns alle drei „richtig Körner“ gekostet hat. Ein Radweg an einer stark befahrenen Straße. Geradeaus. In der prallen Sonne. Keine Bäume. Kein Schatten. Asphalt von unten, der die Hitze zurückwirft. Fahrradfahrer von vorne, die trotz aller Rücksichtnahme auf uns schimpften.

Nina hat es gut beschrieben: Man hatte schon fast 40 Kilometer in den Beinen. Die Morgenkühle war längst weg. Und dann so ein Abschnitt. Ihre Schuhe fingen buchstäblich an zu qualmen, zumindest gefühlt. Ich hab gehnölt. Nicht leise, sondern so richtig. Und das Schwierigste war, dass wir alle drei gleichzeitig in diesem Loch saßen. Niemand konnte die anderen rausziehen, weil alle drin steckten.

Der Sohn meiner Freundin Melli, der Lukas, kam noch mit dem Fahrrad vorbei und hat uns angefeuert. Er ist hin und her gefahren und hat gesagt, da vorne geht’s schon in den Wald. Er war so lieb. Und mir hat es wirklich leid getan, dass er uns genau an diesem Tiefpunkt erwischt hat.

Aber: Wir haben die Rutsche ins Jammertal nicht genommen. Wir standen kurz davor, aber wir sind nicht reingerutscht.

Wichtige Einordnung

Das möchte ich betonen, weil es mir wichtig ist: Zu keinem Zeitpunkt war eine von uns körperlich am Ende. Es war kein medizinisches Problem, kein Moment, wo man hätte aufhören müssen. Es war Mimimi. Lauteres Mimimi als sonst, ja. Aber Mimimi. Schwere Beine, Hitze, Nerven, kein Schatten und ein Abschnitt, der einfach nicht zu uns gepasst hat.

Wer schon mal einen langen Marsch gegangen ist, weiß, dass diese Phasen kommen. Und dass sie auch wieder gehen. Wir haben in unserer Resilienz-Folge mal darüber gesprochen, dass man beim 50er alle Phasen einmal durchlebt, und das stimmt einfach. Es gehört dazu.

Das Finish

Meine Freundin Melli kam dann noch und hat uns einfach mit Gesprächen aus dem Grübeln rausgezogen. Und dann kamen die bekannten Abschnitte, die Nina aus früheren Jahren kannte, die Schilder, noch drei Kilometer, noch zwei, noch einer. Und da war dieses Pony in Nina wieder wach, wie sie es nennt: wenn sie weiß, dass es nicht mehr weit ist, wächst die Energie aus dem Nichts.

Wir sind ins Ziel. Alle drei. Das Finish war ein Mix aus Erschöpfung und Dankbarkeit und diesem tiefen, stillen Zufriedensein, das man nur kennt, wenn man es selbst erlebt hat.

Nina hat es abends gut formuliert: während man es macht, bekommt man gar nicht so richtig mit, was man gerade tut. Das kommt erst im Rückblick.

Was ich mitnehme

Ausrüstungstechnisch: Die Weste war ein Treffer, Salztabletten haben funktioniert, keine Krämpfe. Nächste Stellschraube: Tapen. Ich hatte mich diesmal zu wenig getapet und die Blasen kamen genau dort, wo das Tape aufgehört hatte. Am Wochenende danach beim Vollmondmarsch am Brombachsee habe ich es besser gemacht. Keine Blasen. Lektion gelernt.

Merk dir das Gefühl – ein AHA-Moment der danach kam

Was mich aber wirklich bewegt hat, kam ein paar Tage nach dem Marsch. Mein Sohn, 15 Jahre alt, leidenschaftlicher Torwart, ist nach dem Training ins Auto gestiegen und hat gesagt: Mama, das war das beste und schlimmste Training meines Lebens. Und ich hab ihn angeschaut und gesagt: Merk dir dieses Gefühl. Bitte. Denn das hast du aus dir selbst rausgeholt. Das kann dir niemand geben und nichts ersetzen.

Wenn du überlegst, ob du sowas machen könntest

Kurze Antwort: ja. Längere Antwort: Du kannst dir wahrscheinlich nicht vorstellen, wozu du in der Lage bist. Das konnte ich auch nicht. Versuch es nicht alleine beim ersten Mal, achte auf vernünftige Schuhe und gute Socken, und alles andere wächst mit dir. Man bereut selten, was man versucht hat.

Und für den Start empfehle ich dir meine Folge Wandern, wie fange ich an? oder den Erfahrungsbericht vom Vollmondmarsch, 30 Kilometer, überschaubar und mit etwas Vorbereitung absolut machbar. Oder wenn du noch gar nicht weißt, wie du deine Bewegungsroutine findest, dann hol dir gerne mein kostenloses Freebie.

Danke Mädels, dass wir auch solche Mörsche gemeisam wuppen!

Lasst uns gemeinsam die Schuhe schnüren und weiter laufend optimistisch bleiben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen