Eigentlich wollte ich dir in Folge 106 von unserem Wanderurlaub in Österreich erzählen und davon, wie wir anschließend mein Arbeits- und Aufnahmezimmer renoviert haben.
Doch dann ging es unserem Buddy plötzlich so schlecht, dass nichts anderes mehr wichtig war. Hinter uns liegt eine Woche voller Sorgen, Hoffen, Warten und einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Ich sage es gleich vorweg: Buddy ist wieder zu Hause und es geht ihm deutlich besser. Er ist über den Berg, frisst wieder und darf sich jetzt in Ruhe von seiner Operation erholen.
Diese Woche hat mir trotzdem noch einmal sehr deutlich gezeigt, was passiert, wenn das Leben unsere Pläne einfach über den Haufen wirft. Und warum es gerade dann wichtig ist, freundlich mit uns selbst zu sein.
Wenn plötzlich nichts anderes mehr wichtig ist
Ausgangspunkt war bei Buddy eine Gallenblasenmukozele. Während seiner Operation wurden noch zwei weitere Probleme entdeckt, die glücklicherweise direkt behandelt werden konnten.
Buddy war insgesamt eine Woche lang nicht zu Hause. Zunächst wurde er stationär bei unserem Tierarzt versorgt, später brachten wir ihn in eine Spezialklinik. Für uns bedeutete das: warten, hoffen, Entscheidungen treffen und immer wieder auf den nächsten Anruf der Klinik warten.
In solchen Momenten funktionieren unsere normalen Pläne plötzlich nicht mehr. Verabredungen, Training, Haushalt und andere Aufgaben stehen zwar weiterhin im Kalender, fühlen sich aber vollkommen unwichtig an.
Trotzdem verschwindet der innere Druck nicht automatisch.
Ich musste nicht tapfer sein
Ich habe in dieser Woche sehr viel geweint.
Und obwohl ich grundsätzlich ein optimistischer Mensch bin, musste ich an dieser Situation nichts schönreden. Wenn der eigene Hund um sein Leben kämpft, muss man darin nichts Positives suchen.
Optimistisch zu sein bedeutet nicht, immer gut gelaunt zu bleiben oder jede schwierige Situation sofort in eine wertvolle Lektion zu verwandeln.
Für mich durften in dieser Woche zwei Dinge gleichzeitig da sein:
Ich hatte große Angst und habe trotzdem die Hoffnung nicht verloren.
Gefühle zuzulassen war keine Schwäche. Sie waren ohnehin da. Sie zusätzlich wegdrücken zu wollen, hätte nur noch mehr Kraft gekostet.
Pläne abzusagen ist kein Versagen
Ich habe fast alle Verabredungen und Aufgaben abgesagt, die sich absagen ließen. Mein Kopf war nicht frei und ich wäre ohnehin keine besonders gute Gesellschaft gewesen.
Außerdem wollte ich erreichbar und zu Hause sein, falls die Klinik anruft oder wir kurzfristig reagieren müssen.
An einem Tag habe ich trotzdem versucht, laufen zu gehen. Es war der Tag von Buddys Operation und ich hoffte, dass mir die Bewegung helfen würde.
Doch schon nach kurzer Zeit merkte ich: Heute hilft selbst das Laufen nicht.
Also habe ich aufgehört und bin nach Hause spaziert. Früher hätte ich mich möglicherweise darüber geärgert oder mir eingeredet, dass ich den Lauf jetzt wenigstens noch irgendwie durchziehen müsste. Diesmal wusste ich: Ich muss mir gerade nichts beweisen.
Ich wollte herausfinden, ob mir das Laufen guttut. Die Antwort war an diesem Tag Nein. Also durfte ich umkehren.
Selbstfürsorge sieht nicht jeden Tag gleich aus
An einem anderen Tag war ich mit einer Freundin schwimmen. Danach saßen wir noch zusammen im Blubberbecken, haben geredet und geratscht.
Sie wollte mich ein wenig ablenken und an diesem Tag konnte und wollte ich diese Ablenkung annehmen.
Das widerspricht dem abgebrochenen Lauf nicht. Selbstfürsorge bedeutet nicht immer Rückzug und Ruhe. Manchmal brauchen wir eine Pause. Manchmal Bewegung. Manchmal möchten wir allein sein und manchmal hilft uns ein vertrauter Mensch.
Was uns guttut, kann sich sogar innerhalb weniger Stunden verändern. Ich bin unendlich dankbar für die vielen wundervollen Menschen, die uns gerade auch in der letzten Woche zur Seite standen.
Es gibt dafür keine perfekte Checkliste.
Ehrlich sagen, was gerade möglich ist
Sehr geholfen hat mir auch, nicht alles allein tragen zu müssen.
Wir haben in unserer Familie offen über Buddy und unsere Sorgen gesprochen. Wenn ich Verabredungen abgesagt habe, habe ich ehrlich erklärt, warum. Die meisten Menschen haben verständnisvoll, mitfühlend und fürsorglich reagiert.
Auch unsere Arbeitgeber haben es uns ermöglicht, unsere Arbeit zu unterbrechen, als Buddy in die Spezialklinik gebracht werden musste. Das war für uns keine Selbstverständlichkeit und wir sind dafür sehr dankbar.
Solange ich wusste, dass Buddy gut versorgt war, konnte ich arbeiten. Für zusätzliche Termine, Treffen oder Erwartungen fehlte mir dagegen die Kraft.
Ehrliche Kommunikation löst die eigentliche Situation nicht. Sie verhindert aber, dass wir zusätzlich Energie dafür aufwenden müssen, eine Fassade aufrechtzuerhalten.
Die Angst nicht noch weiter füttern
Natürlich haben wir uns zunächst darüber informiert, was Buddys Diagnose bedeutet. Danach habe ich allerdings bewusst darauf verzichtet, stundenlang weiterzusuchen.
Ich wollte keine Horrorgeschichten lesen und mich nicht durch alle möglichen schlimmen Verläufe klicken.
Stattdessen haben wir uns auf die Tierärztinnen und Tierärzte verlassen, Fragen gestellt und die notwendigen Entscheidungen gemeinsam getroffen.
Nicht weiterzugoogeln bedeutete für mich nicht, mich nicht zu informieren. Es bedeutete, meine Angst nicht mit immer neuen Schreckensszenarien zu füttern.
Auch finanzielle Sorgen gehören dazu
Eine solche Behandlung kostet viel Geld. Darüber wird häufig nur leise gesprochen, obwohl finanzielle Sorgen die emotionale Belastung zusätzlich verstärken können.
Wir haben für Buddy eine Versicherung,. Zum Glück, denn wir mussten unsere Entscheidung für die Operation nicht davon abhängig machen, ob wir uns die Behandlung grundsätzlich leisten können.
Trotzdem ist bereits klar, dass nicht alle Kosten übernommen werden. Noch wissen wir nicht, welchen Betrag die Versicherung tatsächlich erstatten wird.
Buddy ist für uns ein Familienmitglied. Deshalb sind wir dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, ihm diese Behandlung zu ermöglichen. Gleichzeitig bleibt die finanzielle Belastung real und darf auch ausgesprochen werden.
Selbstfreundlichkeit ist kein Wellnessprogramm
Selbstfreundlichkeit bedeutete für mich in dieser Woche nicht, alles positiv zu sehen oder mir ein besonders schönes Wohlfühlprogramm zusammenzustellen.
Sie bedeutete:
- zu weinen und trotzdem zu hoffen
- Verabredungen und Aufgaben abzusagen
- Hilfe und Ablenkung anzunehmen
- ehrlich zu sagen, was gerade möglich ist
- nicht immer weiter nach schlimmen Prognosen zu suchen
- einen Lauf abzubrechen
- und mich dafür nicht auch noch zu verurteilen
Mir halfen außerdem ein Hörbuch, Schreiben, Gespräche und meine 4-7-8-Atmung. Nichts davon ließ die Sorgen einfach verschwinden. Aber manches machte einzelne Momente ein kleines bisschen leichter.
Du musst gerade nicht funktionieren
Wenn das Leben bereits schwer genug ist, müssen wir nicht auch noch gegen uns selbst kämpfen.
Vielleicht kannst du dich in einer belastenden Phase fragen:
- Was brauche ich gerade wirklich?
- Was ist heute realistisch?
- Was darf ohne schlechtes Gewissen warten?
Die Antworten können jeden Tag anders ausfallen.
In dieser Podcastfolge erzähle ich dir ausführlich von unserer Woche mit Buddy, von meinem abgebrochenen Lauf und davon, was mir geholfen hat, mit Angst, Hoffnung und Kontrollverlust umzugehen.
Diese Folge ist keine allgemeingültige Anleitung für schwierige Zeiten. Sie ist mein persönlicher Einblick und vielleicht eine kleine Erinnerung für dich:
Du darfst Pläne ändern. Du darfst Hilfe annehmen. Du darfst traurig sein. Und du musst gerade nicht funktionieren.
Wie gehst du mit Zeiten um, in denen das Leben plötzlich andere Pläne hat? Schreib mir gerne einen Kommentar oder eine Nachricht.
Lass uns gemeinsam die Schuhe schnüren und weiter laufend optimistisch bleiben.
Deine
Jasmin
