097 – Insulinresistenz: Mein 6-Monats-Update – was sich wirklich verändert hat

Vor ziemlich genau sechs Monaten wurde bei mir Insulinresistenz diagnostiziert. Dazu habe ich bereits andere Blogbeiträge geschrieben und Podcastfolgen aufgenommen. Bitte hier entlang wenn du alle weiteren Infos darüber sehen möchtest.

Damals war da auf einmal ganz viel.
Erleichterung, weil ich endlich wusste, was mit mir los ist.
Fragen, weil ich plötzlich ein ganz neues Thema auf dem Tisch hatte.
Und auch dieses starke Gefühl: Jetzt ergibt so vieles Sinn.

Der Dauerhunger, der Heißhunger, diese schlimme Müdigkeit nach dem Essen, meine Infektanfälligkeit
und auch das Gefühl, dass mein Körper sein eigenes Ding macht, obwohl ich mich längst mit Ernährung, Kalorienbedarf, Protein und Bewegung beschäftigt hatte.

Jetzt, sechs Monate später, möchte ich ein ehrliches Update geben. So wie es wirklich aussieht.

Der erfreuliche Anruf Anfang Februar

Anfang Februar, ziemlich genau einen Tag nach meinem 46. Geburtstag, bekam ich einen Anruf von meiner Ärztin.

Und der hatte es in sich. Mein HOMA-Index, also der Wert, der bei mir als Indikator für die Insulinresistenz mitbestimmt wurde, hat sich verändert und zwar von 3,2 auf 2,1.

Das ist für diese Zeit wirklich ein sehr guter Schritt in die richtige Richtung.

Zusätzlich habe ich erfahren, dass ich sogar meine Schilddrüsenmedikation reduzieren darf. Auch das war für mich ein schönes Zeichen, weil es zeigt: Mein Stoffwechsel arbeitet wieder besser. Es bewegt sich etwas. Und zwar nicht nur gefühlt, sondern auch messbar.

Ich bin noch nicht am Ziel –> Aber die Richtung stimmt.

Wie es vorher war

Wenn ich an die Zeit vor der Diagnose zurückdenke, dann war Essen ein riesiges Thema in meinem Alltag.

Ich hatte ständig Hunger.

Schon beim Aufstehen.
Dann vormittags.
Dann mittags.
Dann nachmittags.
Dann abends.
Und nach dem Abendessen ging es oft direkt weiter mit Heißhunger auf Süßes.

Dazu kam diese bleierne Müdigkeit nach dem Essen und vor allem nach dem Mittag. Ich war außerdem sehr infektanfällig und hatte schon lange das Gefühl, dass mit meinem Immunsystem irgendetwas nicht rund läuft.

Heute fühlt sich das alles schon fast weit weg an und genau das ist für mich der größte Erfolg.

Mein größter Erfolg: Die Hungerspirale ist weg

Wenn ich nur eine Veränderung aus diesen sechs Monaten benennen dürfte, dann wäre es diese:

Die Hungerspirale ist kein Teil mehr von mir.

Und das ist riesig.

Vor sechs Monaten waren Essenspausen von mehreren Stunden für mich kaum vorstellbar. Heute sind sie völlig entspannt möglich. Ich kann essen, satt sein, weiterleben und muss mir nicht mehr ständig Gedanken darüber machen, wann es das Nächste gibt.

Dieses Gefühl von Ruhe rund ums Essen ist für mich unbezahlbar.

Was bei mir wirklich geholfen hat

Ich habe keinen perfekten Plan umgesetzt und ich lebe auch nicht nach einem starren Ernährungssystem.

Was bei mir funktioniert, ist eine Kombination aus ein paar klaren Stellschrauben:

1. Drei feste Mahlzeiten

Ich esse in der Regel drei Mahlzeiten am Tag, an Trainingstagen manchmal auch vier. Diese Struktur tut mir richtig gut.

2. Protein priorisieren

Ich achte konsequent darauf, dass meine Mahlzeiten proteinreich sind. Für mich ist das eine der wichtigsten Grundlagen geworden.

3. Gemüse zuerst, dann Protein, dann Kohlenhydrate

Diese Reihenfolge hilft mir sehr. Nicht aus Zwang, sondern weil ich merke, dass mein Körper damit besser arbeitet.

4. Weniger Kohlenhydrate am Abend

Das war mein erster Schritt und ist auch heute noch eine wichtige Stellschraube. Allerdings nicht dogmatisch und schon gar nicht perfekt.

5. Viel trinken

Mein Wasserhaushalt hat sich verbessert und ich merke deutlich, wie gut mir das tut.

Was im Alltag nicht immer perfekt klappt

Ein Punkt, über den ich ganz bewusst ehrlich sprechen möchte:
Das konsequente Low-Carb-Abendessen klappt bei mir nicht jeden Tag.

Gerade im Familienalltag ist das einfach nicht immer so leicht. Die gemeinsame Abendmahlzeit ist bei uns nach wie vor wichtig. Dazu kommt, dass ich seit dem Wechsel meines Fitnessstudios abends trainiere. Und wenn ich nach dem Training Hunger habe, dann esse ich auch.

Das bedeutet: Ich mache vieles bewusst. Ich achte auf meine Struktur. Ich kenne meine Stellschrauben. Und trotzdem gibt es Tage, an denen ich abends Kohlenhydrate esse.

Und weißt du was?
Trotzdem hat sich mein HOMA-Index verbessert.
Trotzdem geht es mir heute deutlich besser.

Das finde ich wichtig, weil es zeigt: Es braucht nicht Perfektion. Es braucht einen Weg, der im echten Leben funktioniert. Deinen Weg, den der genau zu Dir passt.

Süßes ist heute etwas anderes

Ich esse auch heute noch Eis, Schokolade oder Gummibärchen.

Der Unterschied ist: Ich ess es bewusster und nicht mehr nebenbei und vor allem nicht mehr in Unmengen.

Ich esse Süßes meistens als Dessert nach einer Mahlzeit und nicht mehr alleine stehend am Nachmittag oder abends aus Frust auf der Couch. Diese Veränderung ist für mich enorm, weil sie viel mit meinem inneren Umgang mit Essen gemacht hat.

Früher hatte ich oft das Gefühl, ich würde mich damit beruhigen oder belohnen. Was mir hier geholfen hat das zu verstehen: aufschreiben. ehrlich sein. Beobachten ohne es zu bewerten und analysieren. Genauso kam mir der Gedanke: was genau ist an Süßkram eine Belohnung? Was belohne ich damit und welche Konsequenzen spüre ich? Möchte ich das wirklich. Heute fühlt sich das viel klarer und ruhiger an.

Ich habe Yazio gelöscht

Ein weiterer Schritt, der für mich wichtig war: Ich habe im Dezember Yazio gelöscht. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Protein oder Ballaststoffe wo drin sind, ist es absolut hilfreich. Doch ich habe viele Jahre immer wieder getracke und brauche diese Unterstützung oder auch Kontrolle nicht mehr.

Ich habe viele Jahre meines Lebens mit Diäten, Tracken und Kontrolle verbracht. Das war lange Teil meiner Geschichte.

Inzwischen habe ich für mich einen anderen Weg gefunden. Einen, der mehr mit Vertrauen, Struktur und Körpergefühl zu tun hat als mit ständigem Rechnen.

Das bedeutet nicht, dass ich Ernährung locker nehme. Im Gegenteil. Ich nehme sie sehr ernst. Aber heute eben anders.

Was sich sonst noch verändert hat

Neben der verbesserten Blutzuckerregulation hat sich bei mir noch einiges getan:

  • ich habe mehr Energie
  • ich brauche mittags deutlich seltener Schlaf
  • ich schlafe abends tiefer und schneller ein
  • ich kann mich besser konzentrieren
  • ich fühle mich körperlich leichter
  • meine Haut und meine Ausstrahlung haben sich verändert
  • und ich merke auch beim Sport, dass mein Körper anders arbeitet als vorher

Auf der Waage sind ungefähr vier Kilo weniger zu sehen. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Dazu kamen Phasen mit Stillstand, gerade im Dezember und Februar. Das gehört für mich dazu.

Mein Fokus liegt trotzdem nicht auf einer bestimmten Zahl. Für mich geht es in erster Linie um Gesundheit, Energie, Stoffwechsel und darum, dass mein Körper gut versorgt ist.

Medikamente, Ernährungsberatung und mein Weg

Eine Frage, die mir auch öfter gestellt wird:
Nehme ich Medikamente gegen die Insulinresistenz?

Nein. Im Moment nicht.

Ich habe mich aktuell bewusst dagegen entschieden, ohne das grundsätzlich abzulehnen. Auch da gilt: Jeder Mensch darf seinen eigenen Weg finden.

Was ich stattdessen gemacht habe:
Ich bin seit Oktober in einer Ernährungsberatung, die von der Krankenkasse bezuschusst wird. Das war für mich eine sehr gute Entscheidung und ich würde es sofort wieder machen. Es tut gut, Fragen stellen zu können und die eigene Situation nochmal von außen einordnen zu lassen.

Was mir am meisten geholfen hat

Wenn ich eine Sache nennen müsste, die mir inhaltlich am meisten geholfen hat, dann wäre das ganz klar:

Das Buch „Der Glukose-Trick“

Es hat mir viele Zusammenhänge verständlich gemacht und mir gezeigt, wie viel schon kleine Veränderungen auslösen können.

Und dann war da noch etwas anderes: Ich habe aufgehört, meinen Weg mit dem von anderen zu vergleichen. Das war bei meinem Laufeinstieg damals eine große Hilfe und auch bei dem Thema fühlt es sich befreiend an. Warum ich da nicht früher drauf gekommen bin? Keine Ahnung.

Ich habe inzwischen ein Ziel und einen Plan.
Das Ziel ist klar: Ich möchte die Insulinresistenz dauerhaft loswerden.
Der Plan besteht aus den Dingen, die für mich funktionieren. Ohne dass ich ein exaktes Kalorienziel verfolge oder mich an starre Essenspläne halte, denn das funktioniert für mich einfach nicht.

Ein Gedanke, der mir sehr wichtig ist

In den letzten Monaten durfte ich auch meine Freundin Lisse begleiten. Sie hat auf ihrem Blog sehr offen darüber geschrieben, wie sehr ihr mein Blick auf Essen, Routinen und kleine Schritte geholfen hat.

Was mich daran besonders berührt hat:
Auch bei ihr ging es nicht um Druck, sondern um Möglichkeiten. Nicht um Verzicht, sondern um machbare Veränderungen. Nicht um einen erhobenen Zeigefinger, sondern um einen Weg, der zum eigenen Leben passt. Ein kleiner Auszug:

Genau so sehe ich es heute auch für mich. Genau das ist auch mein Coaching Ansatz: individuell.

Mein Fazit nach sechs Monaten

Wenn du mich heute fragst, was sich am stärksten verändert hat, dann würde ich sagen:

  • mein Stoffwechsel arbeitet wieder besser
  • mein Körper fühlt sich ruhiger an
  • ich habe deutlich mehr Energie
  • mein Essen hat Struktur bekommen
  • die Hungerspirale ist weg
  • ich habe das Gefühl, meinen Weg gefunden zu haben
  • ich bin angekommen

Die Diagnose war am Anfang ein Schreck.
Heute ist sie für mich vor allem ein Anstoß gewesen, mich wirklich zu kümmern.

Genau das möchte ich dir auch mitgeben:

Eine Diagnose kann Angst machen. Sie kann aber auch der Startpunkt für etwas sehr Gutes sein.

Wenn du betroffen bist oder Fragen hast

Wenn du dich in Dauerhunger, Heißhunger, Müdigkeit nach dem Essen oder diesem Gefühl wiedererkennst, dass dein Körper irgendwie gegen dich arbeitet, dann sprich bitte mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Und wenn du Fragen zu meiner Erfahrung hast, melde dich gern bei mir.

Ich freue mich immer über Rückmeldungen zur Folge, zu deinen eigenen Erfahrungen oder auch darüber, was dir geholfen hat.

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