Was nimmt man eigentlich mit, wenn man 100 Kilometer in 24 Stunden wandern möchte?
Am Tag vor meinem dritten Start beim Großen Schlackenmarsch habe ich genau das gemacht, was sowieso auf meiner To-do-Liste stand: Ich habe meine Sachen ausgebreitet, meine Laufweste gepackt und dabei die Kamera laufen lassen.
Denn zwischen „Ich nehme lieber alles mit, falls ich es brauche“ und „Warum schleppe ich das eigentlich seit 70 Kilometern mit mir herum?“ liegt bei einer sehr langen Wanderung ein ziemlich großer Unterschied.
2024 bin ich bei meinem ersten Versuch über 100 Kilometer nicht ins Ziel gekommen. 2025 hat es dann geklappt. Und natürlich bedeutet das nicht, dass ich inzwischen die eine perfekte Packstrategie gefunden habe.
Aber ich weiß deutlich besser, was ich wirklich brauche, was sich für mich bewährt hat und an welchen Stellen ich inzwischen anders plane.
Hier findest du alle Informationen zum Großen Schlackenmarsch.

Lieber anschauen als lesen?
Im Video packe ich meine Sachen direkt vor der Kamera und zeige dir unter anderem Kleidung, Laufweste, Verpflegung, Elektrolyte, Erste Hilfe, Technik, meinen Nachfüll-Rucksack für die Nacht und meine Garmin-Einstellungen.
Du möchtest für deine eigene lange Wanderung packen?
Damit du nicht bei jedem einzelnen Gegenstand überlegen musst, ob du etwas vergessen hast, habe ich meine Erfahrungen in einer kostenlosen Packliste für 30 bis 50 Kilometer zusammengefasst.
Sie führt dich durch Kleidung, Verpflegung, Technik und Sicherheit und lässt sich ausdrucken und abhaken.
Warum ich für diese 100 Kilometer mit zwei Rucksäcken plane
Eine Besonderheit des Großen Schlackenmarschs macht das Packen für mich deutlich einfacher: Die Strecke ist wie ein Kleeblatt aufgebaut. Die einzelnen Etappen führen immer wieder zurück zum Ausgangspunkt.
Deshalb muss ich nicht alles, was ich irgendwann innerhalb der 24 Stunden brauchen könnte, von Kilometer eins an auf dem Rücken tragen.
Ich teile meine Sachen auf:
- Meine Laufweste enthält alles, was ich auf der aktuellen Etappe direkt brauche.
- Ein zweiter Rucksack wartet am Ausgangspunkt mit Dingen zum Nachfüllen oder Wechseln und vor allem mit meiner Ausrüstung für Abend und Nacht.
Das spart Gewicht und ich kann auf veränderte Temperaturen reagieren, ohne den ganzen Tag dicke Kleidung, Stirnlampe und sämtliche Reserven herumzutragen.
Dieses Prinzip lässt sich allerdings nicht einfach auf jede Veranstaltung übertragen. Bei einer linearen Strecke oder weit auseinanderliegenden Versorgungspunkten musst du anders planen.
1. Meine Kleidung: Zwiebelprinzip statt einer dicken Schicht
Bei einer Wanderung über viele Stunden verändert sich nicht nur mein Energielevel. Auch Wetter und Temperatur können sich komplett verändern.
Deshalb setze ich auf mehrere Schichten, die ich an- und ausziehen kann.
Für mich bedeutet das unter anderem:
- Funktionsshirt als Grundlage
- Armlinge für eine zusätzliche, schnell wechselbare Schicht
- eine sehr leichte Windjacke
- kurze Hose und Kompressionsbeinlinge
- je nach Wetter Cap oder Stirnband
- für die Nacht zusätzliche wärmere Kleidung
Der Vorteil: Ich muss nicht zwischen „zu warm“ und „zu kalt“ wählen, sondern kann unterwegs reagieren.
Gerade nach vielen Stunden verändert sich außerdem mein Temperaturempfinden. Was sich am Nachmittag noch angenehm anfühlt, kann mitten in der Nacht plötzlich ziemlich frisch werden.
2. Warum ich diesmal zwei Paar Schuhe einplane
Zum ersten Mal starte ich bewusst mit zwei unterschiedlichen Paar Schuhen.
Die erste Etappe ist relativ asphaltlastig. Dafür möchte ich meine Topo Atmos tragen. Sie sind gut gepolstert und haben für mich einen wichtigen Vorteil: viel Platz im Zehenbereich.
Nach ungefähr 32 Kilometern möchte ich auf meine Altras wechseln.
Bei ihnen schätze ich besonders die griffige Sohle. Gerade für Waldwege und die Nachtetappen möchte ich mich darauf verlassen können.
Auch sie bieten meinen Zehen viel Platz.
Ob der geplante Schuhwechsel tatsächlich so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, wird sich unterwegs zeigen. Genau das gehört für mich inzwischen zu langen Distanzen dazu: ausprobieren, beobachten und Erfahrungen sammeln.
3. Meine Laufweste: Alles hat möglichst seinen Platz
Bei 100 Kilometern möchte ich nicht jedes Mal meinen kompletten Rucksack ausräumen, wenn ich einen Snack, mein Handy oder etwas anderes brauche.
Deshalb überlege ich beim Packen nicht nur was ich mitnehme, sondern auch wo ich es unterbringe.
Dinge, die ich regelmäßig brauche, gehören so weit nach vorne beziehungsweise so griffbereit wie möglich.
Dinge für den Notfall dürfen weiter hinten verschwinden.
Klingt banal. Nach 15 Stunden kann aber selbst die Suche nach einem kleinen Gegenstand erstaunlich nerven.
Ein Müllsack gehört für mich übrigens immer dazu
Ein ganz unspektakulärer Gegenstand, den ich fast immer dabeihabe, ist ein einfacher Müllsack.
Er wiegt kaum etwas und kann im Notfall kurzfristig als zusätzlicher Regen- oder Windschutz dienen oder als isolierende Unterlage helfen.
Ich hoffe natürlich, dass ich ihn nie wirklich brauche. Aber für das geringe Gewicht ist er für mich eine sinnvolle Reserve.
4. Essen und Trinken: lieber regelmäßig als irgendwann zu spät
Auf sehr langen Strecken möchte ich nicht erst essen, wenn ich plötzlich merke, dass die Energie weg ist.
Deshalb habe ich meine Verpflegung vorbereitet und portionsweise verpackt.
Kleine Gefrierbeutel mit Zipper sind dafür für mich erstaunlich praktisch: leicht, platzsparend und ich kann mir einzelne Portionen so vorbereiten, dass ich unterwegs nicht lange herumkramen muss.
Zusätzlich habe ich Elektrolyte und Salztabletten dabei. Damit habe ich bei meinen bisherigen langen Touren gute Erfahrungen gemacht.
Das ist allerdings keine Empfehlung, meine Mengen oder Produkte einfach zu übernehmen. Flüssigkeits- und Salzbedarf unterscheiden sich unter anderem abhängig von Temperatur, Schweißrate, Dauer und Person.
Meine wichtigste Erkenntnis ist viel einfacher:
Verpflegung gehört geplant und vorher getestet.
Eine 100-Kilometer-Veranstaltung ist nicht der ideale Moment für Experimente.
5. Kleines Erste-Hilfe-Set statt halber Hausapotheke
Natürlich möchte ich möglichst wenig Gewicht tragen. Ganz ohne Sicherheitsausrüstung würde ich bei einer solchen Strecke trotzdem nicht starten.
Bei mir kommt deshalb ein kleines Erste-Hilfe-Set mit. Dazu gehören unter anderem:
- Rettungsdecke
- vorgeschnittenes Tape
- Blasenpflaster
- Material für kleinere Verletzungen und Druckstellen
Gerade beim Thema Füße gilt für mich inzwischen: lieber früh reagieren als später kilometerlang darüber nachdenken, warum ich nicht früher stehen geblieben bin.
Wenn du dich ausführlicher mit Schuhen, Socken, Tape, Hotspots und Blasen beschäftigen möchtest, findest du dazu meinen eigenen Beitrag:
Blasen beim Wandern vermeiden: Was bei 30 bis 100 Kilometern wirklich hilft
6. Ein kleiner Tipp, den man leicht vergisst: Ringe vorher abnehmen
Dieser Punkt steht nicht unbedingt auf jeder Packliste, ist für mich inzwischen aber selbstverständlich:
Ich nehme meine Ringe bereits am Vorabend ab.
Bei sehr langen Belastungen können die Finger anschwellen. Dann möchte ich nicht unterwegs feststellen, dass mein Ehering plötzlich unangenehm eng sitzt und ich irgendwo auf der Strecke überlegen muss, wohin ich ihn sicher packe.
Deshalb kommt er lieber schon vorher ab.

7. Mein Nachfüll-Rucksack für Abend und Nacht
Tagsüber möchte ich möglichst wenig unnötiges Gewicht mitnehmen.
Im zweiten Rucksack liegen deshalb Dinge, die ich erst später brauche oder mit denen ich meine Laufweste wieder auffüllen kann.
Für die Nacht gehören dazu vor allem:
- wärmere Kleidung
- eine zusätzliche Fleecejacke
- lange Hose
- Wechselshirt
- zusätzliche Socken
- Halstuch und Stirnband
- meine Stirnlampe
- weitere Verpflegung
- Nachschub für Getränke und Elektrolyte
Ich packe außerdem ein normales Paar Kompressionssocken ein.
Der Grund ist ziemlich praktisch: Wenn die Füße nach vielen Kilometern angeschwollen oder feucht sind, macht es nicht unbedingt Spaß, mühsam wieder Zehensocken anzuziehen.
Dann darf es nachts auch unkompliziert gehen.

8. Technik: Powerbank, REELOQ und vor allem volle Akkus
Bei einer 100-Kilometer-Wanderung ist mein Smartphone nicht nur Kamera.
Ich nutze es unter anderem für Navigation, Fotos und Videos und möchte im Zweifel natürlich auch erreichbar sein.
Deshalb kommen eine Powerbank und die passenden Kabel mit.
Praktisch finde ich eine Powerbank mit integrierten Ladekabeln. Damit kann ich sowohl mein Handy als auch andere Geräte laden, ohne mehrere zusätzliche Kabel einzupacken.
Mein REELOQ nutze ich zusätzlich, damit ich das Handy schnell greifen kann und es trotzdem an meiner Ausrüstung gesichert bleibt.
Und dann gibt es noch diesen äußerst unspektakulären Punkt, den man wunderbar bis fünf Minuten vor dem Start vergessen kann:
Alles vorher vollständig aufladen.
Handy, Uhr, Stirnlampe, Powerbank, Blinklichter und alles andere, was Strom braucht.
9. Meine Garmin soll diesmal auch wirklich bis zum Ende aufzeichnen
Aus Fehlern lernt man bekanntlich. Manche Fehler dauern ungefähr 100 Kilometer.
Bei meinem Finish 2025 hatte ich meine Uhr nicht optimal eingestellt. Nach ungefähr 84 Kilometern war Schluss mit der Aufzeichnung.
Das ändert natürlich überhaupt nichts daran, dass ich die 100 Kilometer geschafft habe.
Aber wenn ich ehrlich bin: Schön wäre es diesmal trotzdem, die komplette Strecke auch auf der Uhr zu haben.
Deshalb habe ich mir vor dem Start einen eigenen Aktivitätsmodus für die 100 Kilometer eingerichtet.
GPS und Herzfrequenz möchte ich weiterhin aufzeichnen, gleichzeitig habe ich darauf geachtet, keine unnötigen Funktionen laufen zu lassen.
Meine Garmin zeigt mir mit diesen Einstellungen eine erwartete Akkulaufzeit von rund 35 Stunden an.
Da ich für die Veranstaltung maximal 24 Stunden Zeit habe, sollte das theoretisch reichen.
Und vor allem muss ich morgen in der Aufregung nicht mehr anfangen, irgendwo in den Einstellungen herumzusuchen.
10. Das Startnummernband: klein, aber praktisch
Zum Schluss kommt meine Startnummer nicht mit Sicherheitsnadeln fest an eine einzelne Kleidungsschicht.
Ich nutze ein Startnummernband.
Gerade beim Zwiebelprinzip finde ich das praktisch, weil ich Jacke oder Oberteil wechseln kann, ohne jedes Mal die Startnummer neu befestigen zu müssen.
Außerdem möchte ich meine Laufweste nicht mit Sicherheitsnadeln durchlöchern und weiterhin problemlos an alle Fächer kommen.
Magnete habe ich ebenfalls schon ausprobiert, bin damit aber nicht richtig warm geworden.
Das Startnummernband ist für mich schlicht die unkomplizierteste Lösung.
11. Selbsttönende Brille und Stöcke: zwei Dinge, die ich fast vergessen hätte zu erwähnen
Was im Video erst ziemlich spät zur Sprache kommt, gehört für mich natürlich ebenfalls dazu.
Zum einen meine selbsttönende Brille.
Sie passt sich den Lichtbedingungen an. Dadurch muss ich keine zweite Brille mitnehmen und nicht ständig zwischen Sonnen- und normaler Brille wechseln.
Zum anderen meine Wanderstöcke.
Gerade auf langen Distanzen gehören sie für mich inzwischen fest zur Ausrüstung und werden direkt an der Weste befestigt.
12. Und dann ist da noch etwas, das keinen praktischen Nutzen haben muss
Neben all der funktionalen Ausrüstung darf bei mir auch etwas völlig Untechnisches mit.
Ein kleiner Glücksbringer von einer Freundin.
Auf dem Armband steht:
„Stay strong, keep going.“
Brauche ich dieses Armband, um 100 Kilometer gehen zu können? Natürlich nicht.
Kann es mir in einem Tiefpunkt trotzdem guttun, kurz daraufzuschauen und mich daran zu erinnern, warum ich weitergehen möchte?
Absolut.
Und genau solche kleinen Dinge gehören für mich bei sehr langen Distanzen genauso dazu wie Stirnlampe, Powerbank und Socken.
Meine Ausrüstung und Empfehlungen auf Amazon
Viele der Dinge, die ich beim Wandern und auf langen Distanzen nutze, habe ich in meiner Amazon-Ideenliste gesammelt.
Dort findest du unter anderem Ausrüstung, Technik und kleine Helfer, die sich für mich unterwegs bewährt haben.
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Was ich heute anders mache als bei meinen ersten langen Wanderungen
Bei meinen ersten längeren Strecken dachte ich noch stärker in Richtung: lieber zu viel dabeihaben als zu wenig.
Heute denke ich anders.
Ich frage mich bei jedem Teil:
- Brauche ich das wirklich auf dieser Etappe?
- Wie wahrscheinlich ist es, dass ich es benutze?
- Kann ich es später nachfüllen?
- Habe ich es vorher getestet?
- Und weiß ich überhaupt, wie ich es unterwegs sinnvoll einsetze?
Das bedeutet nicht, möglichst minimalistisch zu packen.
Sicherheit und sinnvolle Reserven gehören selbstverständlich dazu.
Aber nur weil etwas theoretisch nützlich sein könnte, muss ich es nicht zwangsläufig 100 Kilometer tragen.
100 Kilometer sind mehr als die richtige Ausrüstung
Eine gute Packstrategie hilft. Sie entscheidet aber nicht allein darüber, wie ein sehr langer Marsch läuft.
Training, Tempo, Pausen, Verpflegung, Füße und vor allem der Umgang mit den schwierigen Stunden spielen mindestens genauso eine Rolle.
Wenn du dich generell fragst, wie man sich an 100 Kilometer herantastet, wie ich trainiert habe oder was bei mir unterwegs schwierig wurde, findest du hier meine Antworten:
100 km wandern: Die häufigsten Fragen und meine ehrlichen Antworten
Und falls du wissen möchtest, wie mein erstes 100-Kilometer-Finish tatsächlich gelaufen ist, inklusive Tiefpunkten, Nacht und den letzten Kilometern:
100 Kilometer in 24 Stunden: Großer Schlackenmarsch 2025 bis ins Ziel
Du möchtest deine ersten 30 bis 50 Kilometer selbst angehen?
Vielleicht sind 100 Kilometer gerade überhaupt nicht dein Ziel.
Müssen sie auch nicht sein.
Wenn du deine ersten 30 bis 50 Kilometer planst, habe ich in meinem PDF-Ratgeber „50 Kilometer wandern: Was ich gerne vorher gewusst hätte“ genau die Erfahrungen gesammelt, die mir bei meinen ersten langen Wanderungen gefehlt haben.
Darin geht es nicht nur darum, was in den Rucksack kommt, sondern auch um Vorbereitung, Schuhe und Socken, Füße und Blasen, Essen und Trinken, Pausen, Ausrüstung und die Momente, in denen Kopf und Beine irgendwann anfangen zu diskutieren.
Es ist kein perfekter Masterplan und kein Versprechen, dass damit jede Wanderung problemlos läuft.
Es sind meine Erfahrungen, Fehler und die Lösungen, die sich daraus entwickelt haben.
50 Kilometer wandern: Was ich gerne vorher gewusst hätte
Mein Erfahrungsratgeber für deine Vorbereitung auf die ersten 30 bis 50 Kilometer.
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Mein Fazit: Packen mit Plan statt für jeden theoretischen Notfall
Nach mehreren langen Wanderungen ist meine Ausrüstung nicht unbedingt spektakulärer geworden.
Sie ist vor allem durchdachter geworden.
Ich weiß besser, was ich unterwegs schnell erreichen möchte, was im Nachfüll-Rucksack warten kann und welche Dinge ich tatsächlich benutze.
Und trotzdem werde ich vermutlich auch diesmal hinterher wieder mindestens eine Sache finden, bei der ich denke:
Das mache ich beim nächsten Mal anders.
So funktioniert Erfahrung eben.
Nicht alles vorher perfekt wissen. Losgehen, aufmerksam bleiben und aus jedem langen Tag etwas für den nächsten mitnehmen.
Wenn du selbst schon bei einer langen Wanderung gestartet bist: Was ist das eine Teil, das bei dir auf keinen Fall fehlen darf?
Schreib es mir gerne in die Kommentare.
Für mehr Freude an Bewegung.
Jasmin

