Wenn andere dir nichts zutrauen: Wie du trotzdem deinen Weg gehst

Du möchtest etwas Neues ausprobieren. Und eine einzige Bemerkung reicht, damit du wieder an dir zweifelst. Das kenne ich. Bei mir ging es damals um fünf Kilometer.

Als ich mit dem Laufen angefangen habe, sagte mein Mann irgendwann zu mir:

„Bis du fünf Kilometer laufen kannst, da darfst du aber noch etwas trainieren.“

Ganz ehrlich? Ich fand diese Bemerkung damals schrecklich. Sie hat mich getroffen. Heute weiß ich: Er hatte recht. Für diese fünf Kilometer durfte ich tatsächlich noch trainieren. Seine Aussage war eine sachliche Feststellung und nicht böse gemeint. Bei mir ist sie trotzdem anders angekommen.

Was hilft also, wenn du etwas Neues anfangen möchtest und das Gefühl hast, dein Umfeld traut es dir nicht zu? Und wie findest du heraus, ob jemand dich wirklich kleinmacht oder ob eine Bemerkung gerade einen deiner eigenen Zweifel erwischt hat?

Meine Geschichte und Gedanken dazu im Video

Ich erzähle dir, was aus diesen ersten fünf Kilometern geworden ist und was mir heute hilft, mit solchen Bemerkungen umzugehen.

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Warum uns Bemerkungen beim Neuanfang so treffen können

Vielleicht möchtest du mit dem Laufen anfangen, zum ersten Mal einen Kurs im Fitnessstudio besuchen oder etwas ausprobieren, das bisher überhaupt nicht zu dir gehört hat.

Du hast selbst schon lange überlegt. Ob du das kannst. Ob du dranbleibst. Ob das überhaupt etwas für dich ist. Und dann fragt jemand: „Traust du dir das wirklich zu?“

Schon sind die eigenen Zweifel wieder da. Lauter als vorher.

Wenn sich jemand anderes deinen Weg noch nicht vorstellen kann, ist das aber kein Beweis dafür, dass er unmöglich ist. Du darfst herausfinden, was zu dir passt. Auch wenn du heute noch nicht weißt, wie weit du damit kommst.

Jasmin zu Beginn ihrer Laufgeschichte im schwarzen Laufoutfit auf einem Waldweg
Am Anfang meiner Laufgeschichte wusste ich noch nicht, was daraus einmal werden würde.

War das wirklich so gemeint?

Die Bücher von Nicole Staudinger haben mir geholfen, mein eigenes Menschenbild zu hinterfragen. Gehe ich erst einmal davon aus, dass mein Gegenüber es gut mit mir meint? Oder höre ich schnell einen Angriff, obwohl vielleicht gar keiner beabsichtigt war?

Bei meinem Mann war es genau dieser Unterschied zwischen seiner Absicht und dem, was bei mir angekommen ist. Manchmal steckt hinter einer Bemerkung auch Sorge oder eine eigene schlechte Erfahrung. Manchmal hat jemand einfach ungeschickt formuliert.

Das nimmt meinem Gefühl nichts weg. Ich darf verletzt sein und trotzdem nachfragen, bevor ich mir sicher bin, was die andere Person gemeint hat.

Ich muss nicht auf jede Bemerkung reagieren

Ein weiteres Buch, das ich sehr mag und schon oft verschenkt habe, ist 50 Sätze, die das Leben leichter machen von Karin Kuschik. Der Gedanke „Wer mich ärgert, bestimme ich“ begleitet mich seitdem.

Für mich steckt darin eine Einladung, genauer hinzuschauen: Warum ärgert mich das gerade so? Hat jemand einen wunden Punkt getroffen? Und wie viel Raum möchte ich dieser Bemerkung anschließend geben?

Dass mich etwas im ersten Moment trifft, kann ich nicht immer verhindern. Aber ich kann üben, damit umzugehen. Und ich muss längst nicht jede Äußerung kommentieren oder mich dafür rechtfertigen, dass ich etwas ausprobieren möchte.

Manchmal reicht: „Ich probier’s jetzt einfach aus. Dann werden wir sehen.“

Was du tun kannst, wenn andere an dir zweifeln

1. Nachfragen, bevor du interpretierst

„Wie meinst du das genau?“

So eine kurze Frage kann viel klären. Vielleicht steckt etwas ganz anderes dahinter, als du zuerst gehört hast.

2. Dir die Rechtfertigung sparen

Du möchtest laufen? Einen Kurs besuchen? Etwas Neues lernen? Dafür musst du vorher nicht beweisen, dass du es durchziehen wirst.

Und wenn du feststellst, dass es gerade nicht in deinen Alltag passt oder dir keine Freude macht, hast du etwas über dich erfahren. Auch dafür darfst du etwas ausprobieren.

3. Grenzen setzen, wenn dich jemand kleinmacht

Eine ungeschickte Bemerkung ist etwas anderes, als regelmäßig lächerlich gemacht zu werden. Du musst dir nicht alles gefallen lassen.

„Ich freue mich auf diese neue Herausforderung und möchte sie mir von dir nicht schlechtreden lassen.“

Dafür brauchst du keine besonders schlagfertige Antwort. Manchmal reicht auch ein klares „Stopp. Das möchte ich jetzt nicht hören.“

4. Menschen suchen, die deine Freude teilen

Mir hat Bewegung auch neue Freundschaften gebracht. Menschen, mit denen ich laufen, wandern oder mich über Training austauschen kann. Vielleicht findest du solche Menschen in einem Lauftreff, einem Kurs oder einer Onlinegruppe.

Es tut gut, wenn jemand versteht, warum du dich gerade über einen kleinen Fortschritt so freust.

Aus fünf Kilometern ist viel mehr geworden

Inzwischen gehören sechs Jahre begeisterte Laufliebe zu meinem Leben. Ich bin einen Marathon gelaufen und habe lange Wanderungen erlebt, darunter auch 100 Kilometer. Dazu kamen mein Podcast und dieser Blog und später mein YouTube-Kanal.

Besonders viel bedeuten mir die Begegnungen, die Freundschaften und das gewachsene Selbstvertrauen. Ich habe erlebt, dass ich mir Dinge zutrauen darf, die mir am Anfang ziemlich weit weg vorkommen.

Jasmin mit pinker Weste bei ihrem ersten Fünf-Kilometer-Lauf im März 2020
Mein erster Fünf-Kilometer-Lauf im März 2020. Irgendwann wurde aus der Vorstellung eine eigene Erfahrung.

Heute bereite ich mich wieder auf einen Halbmarathon vor. Mein Ziel ist das X-Mas Lauf Festival im Fränkischen Seenland. Gehpausen gehören für mich dazu. Und die Freiheit, mein Ziel anzupassen, ebenfalls. Ehrgeiz UND Vernunft.

Wenn du mehr über meinen Wiedereinstieg lesen möchtest, findest du hier meinen Beitrag „Wieder mit dem Laufen anfangen: Gehpausen erlaubt“ . Informationen zum Lauf gibt es direkt bei Seenland Events.

Bücher, die bei mir etwas bewegt haben

Wenn dich die Gedanken von Nicole Staudinger und Karin Kuschik interessieren, hör gerne in meine Podcastfolge rein. Dort erzähle ich auch von weiteren Büchern, die mich begleitet haben.

Zur Folge 102: Bücher, die mir im Kopf und im Herzen geblieben sind

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Du musst niemanden überzeugen, bevor du anfängst. Vielleicht nicht mal dich selber. Aber den ersten Schritt, den darfst du machen.

Kennst du solche Bemerkungen? Was hat dir geholfen, trotzdem anzufangen? Oder wer hat dich bei deinem Neuanfang unterstützt? Schreib mir gerne in die Kommentare.

Bleib laufend optimistisch.
Deine Jasmin

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